Der Porsche Taycan 4S Sport Turismo Modelljahr 2025 bringt mit Launch Control bis zu 544 PS (400 kW) auf die Strasse – mehr als genug für den Alltag und weit darüber hinaus. Doch Leistung allein macht noch keinen guten Sportwagen. Entscheidend ist, wie sie umgesetzt wird. Und hier glänzt der Taycan mit seinem präzisen Fahrwerk, der tiefen Sitzposition und zahlreichen Porsche-typischen Feinheiten, die den Testzeitraum zu einem echten Vergnügen machten.
Optisch überzeugt der Sport Turismo mit seiner neuen Lackierung in Oakgrünmetallic Neo – ein Farbton, der sich je nach Lichteinfall subtil verändert und an die klassischen Grün-Nuancen der 70er-Jahre erinnert. Im Innenraum trifft exklusives Clubleder in Trüffelbraun auf hochwertige Verarbeitung, die dem Taycan eine besondere Atmosphäre verleiht.
Der grösste Vorteil des Kombis? Ganz klar das Ladevolumen. Während die Limousine mit 407 Litern etwas eingeschränkt ist, bietet der Sport Turismo mit seinen mindestens 446 Litern deutlich mehr Flexibilität. Wer die Rücksitze umklappt und bis unters Dach belädt, hat sogar bis zu 1’212 Liter zur Verfügung – praktisch, wenn der Taycan nicht nur für sportliche Fahrten, sondern auch für längere Reisen oder Alltagsaufgaben genutzt wird.



Evolution statt Revolution – die Modellpflege des Taycan
Porsche hat sich beim überarbeiteten Taycan für subtile Veränderungen entschieden – keine radikale Neugestaltung, sondern präzise Feinarbeit. Die tropfenförmigen Lufteinlässe unter den Scheinwerfern sind verschwunden, stattdessen wurde ein neu gestalteter Stossfänger zusammen mit schmaleren Scheinwerfern eingeführt, was dem Taycan ein noch dynamischeres Gesicht verleiht. Weniger verspielt, mehr fokussiert.
Die neue Frontpartie erinnert nun stärker an den Macan EV und unterstreicht damit den sportlichen Anspruch der Limousine. Gleichzeitig orientiert sich der überarbeitete Taycan an der dritten Generation des Panamera – flacher ausgeführte und leicht abgesenkte vordere Kotflügel verleihen ihm eine markantere Silhouette.
Es sind keine revolutionären Neuerungen, doch sie zeigen: Porsche weiss, was funktioniert. Der Taycan bleibt eine der auffälligsten Erscheinungen auf der Strasse – nur eben noch ein wenig schärfer und moderner.
Schon beim Einsteigen wird klar: Hier sitzt der Fahrer im Mittelpunkt. Der Taycan empfängt einen mit einem cockpitartigen Innenraum, der nicht nur hochwertig verarbeitet ist, sondern auch konsequent auf die Person hinter dem Lenkrad ausgerichtet wurde. Das 16,8-Zoll-Kombiinstrument wölbt sich leicht gebogen über das Armaturenbrett und bietet eine klare „Drei-Box-Ansicht“ – gut strukturiert und intuitiv bedienbar. Zusätzliche Touch-Elemente auf beiden Seiten des Lenkradkranzes ermöglichen eine schnelle Anpassung der wichtigsten Funktionen.
Kleine Überraschung: Die Aussentemperaturanzeige? Direkt hinter dem Lenkrad versteckt. Danke, Porsche. Und die Lenkradheizung? Der Schalter dafür ist ebenfalls am Lenkradkranz, aber auf der Rückseite platziert. Praktisch oder unnötig kompliziert? Ansichtssache. Gerade jetzt, bei minus einem Grad Celsius, wäre ein direkterer Zugriff sicher kein Nachteil.
Die Mittelkonsole ist neutraler gehalten, bietet aber mit ihrem Dual-Screen-Setup sowohl für Fahrer als auch Beifahrer eine klare Bedienstruktur. Unter dem 10,9-Zoll-Infotainment-Touchscreen befindet sich das 8,4-Zoll-Bedienfeld, das nicht nur modern aussieht, sondern dank haptischem Feedback auch eine angenehme taktile Rückmeldung gibt – ein kleiner, aber wichtiger Unterschied zu vielen rein digitalen Konzepten. Ein durchdachtes, fahrerfokussiertes Cockpit mit cleveren Details – doch ob wirklich alles ergonomisch perfekt platziert ist, sei dahingestellt.

Zündung per Startknopf, links vom Lenkrad – wie es sich für einen Porsche gehört. Gangwahlhebel umlegen, und los geht’s. Kein Surren, kein künstliches Brummen, keine Soundeffekte, die einem vorgaukeln, man säße in einem Benziner. Porsche bleibt sich treu und verzichtet auf unnötige Theatralik. Stattdessen zeigt der Taycan, dass ein Elektroauto auch ohne synthetische Inszenierung echte Emotionen wecken kann.
Und das tut er – in beeindruckender Weise. Die Beschleunigung ist brutal, aber niemals aufdringlich. Wer das Gaspedal durchtritt, wird in den Sitz gedrückt, während der Taycan mit absoluter Gelassenheit Tempo aufnimmt. Kein hektisches Rucken, kein durchdrehendes Drama, sondern ein kontrollierter, souveräner Sprint nach vorne. Die Launch Control ist schnell aktiviert: Sport-Modus wählen, beide Pedale treten, Bremse lösen – und in nur 3,7 Sekunden steht die 100 km/h-Marke. Auf Winterreifen haben wir es nicht nachgemessen, aber es fühlt sich verdammt schnell an.
Und wenn es wieder langsamer werden muss? Kein Problem. Die Stahlbremsen packen mächtig zu und bringen den Taycan aus 100 km/h in nur 32 Metern zum Stillstand. Das Leergewicht von 2’350 kg ist dabei spürbar, aber nie beunruhigend. Die Bremssättel tun exakt das, was sie sollen – und das mit beeindruckender Konstanz.
Kurz gesagt: Der Taycan bleibt ein echter Porsche – nur eben elektrisch.




Nicht alles am Taycan ist purer Fahrspaß – zumindest nicht das Stop-and-Go im Stadtverkehr. Doch sobald die Strassen frei sind, zeigt der Sport Turismo, dass er nicht nur schnell, sondern auch präzise bewegt werden kann. Die Lenkung ist direkt, das Fahrgefühl vermittelt genau das richtige Maß an Rückmeldung. Dank Hinterachslenkung wird der Taycan selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten überraschend wendig, während er sich in schnell gefahrenen Kurven mit chirurgischer Präzision dirigieren lässt.
Grip gibt es in Hülle und Fülle. Selbst auf Winterreifen haben wir auf unserer Teststrecke bis zu 0,97 g Querbeschleunigung erreicht – beeindruckend für ein Fahrzeug mit diesem Gewicht. Klar, gewisse Kompromisse muss man mit Winterreifen eingehen, aber die mechanische Balance des Fahrwerks bleibt jederzeit spürbar.
Trotz der beeindruckenden Dynamik bleibt der Taycan im Kern auch ein vielseitiges Alltagsauto. Die serienmässige Luftfederung sorgt für einen gelungenen Mix aus Sportlichkeit und Komfort. In den Fahrmodi Sport und Sport+ wird das Setup spürbar straffer, doch selbst in der Standardkonfiguration fühlt sich der Taycan auf der Autobahn oder bei längeren Überlandfahrten angenehm gelassen an.
Und wenn es doch mal über eine steile Auffahrt oder einen unbefestigten Weg geht? Kein Problem – die Bodenfreiheit kann auf Knopfdruck erhöht werden. Wer es lieber effizient mag, kann das Fahrwerk auf mehr Reichweite optimieren. Und für den ultimativen Dynamik-Kick senkt sich der Taycan bei hohem Tempo automatisch ab, um die Aerodynamik und Stabilität weiter zu verbessern.
Ein Elektro-Sportwagen, der sich nicht nur auf der Rennstrecke wohlfühlt, sondern auch im Alltag – das macht den Taycan aus.



Schnell fahren, schnell laden – der Taycan setzt Massstäbe
Ein grosses Elektrofahrzeug? Ja, aber eben auch ein grossartiges Elektrofahrzeug. Natürlich gibt es mittlerweile Modelle mit grösserer Reichweite, doch der Taycan 4S Sport Turismo kontert mit Ladeleistung. Dank 800-Volt-Technologie und bis zu 350 kW Ladeleistung ist er in weniger als 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen – schneller als die meisten Konkurrenten. Wer es eilig hat, gewinnt in nur 20 Minuten bis zu 300 Kilometer Reichweite zurück.
Das klingt beeindruckend, hat aber einen Haken: Man muss den richtigen Ladepunkt finden. Wer das volle Ladepotenzial ausschöpfen will, sollte die Routenplanung dem Porsche-Navi überlassen, denn nur so wird der Akku vorgewärmt und kann mit maximaler Leistung laden. Planloses Ansteuern eines Schnellladers kann also Ladezeiten verlängern – gut zu wissen.
Reichweite? Offiziell zwischen 449 und 616 Kilometern (WLTP). In der Realität natürlich stark abhängig von Fahrstil, Temperaturen und Topographie, aber das Konzept geht auf.
Theoretisch liesse sich der Taycan damit sogar auf der Rennstrecke sinnvoll bewegen: Ein paar schnelle Runden, dann eine kurze 350-kW-Ladung – und weiter geht’s. Ein Elektroauto mit echter Performance-DNA, das sich nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis bewährt. Genau so muss es sein.



Es gibt eine Sache, die wir uns von Porsche wünschen würden: einen echten One-Pedal-Driving-Modus. Klar, der Taycan setzt bewusst auf eine „klassische“ Fahrweise mit viel Schubbetrieb, aber warum nicht dem Fahrer die Wahl lassen? Wer sich durch den Stadtverkehr quält oder an jeder zweiten Kreuzung abbremsen muss, hätte sicher gerne die maximale Rekuperation von 300 kW zur Verfügung – ohne immer aufs Bremspedal wechseln zu müssen. Dass Porsche an seiner Philosophie festhält, ist nachvollziehbar, aber ein wenig mehr Flexibilität wäre durchaus wünschenswert.
Doch immerhin hat sich an anderer Stelle etwas getan: Porsche packt 2025 mehr Serienausstattung rein. Luftfederung? Standard. Zwei Ladeanschlüsse? Standard. Beheizbares Lenkrad, Umgebungsbeleuchtung und kabellose Ladegeräte? Auch Standard. Man merkt: Porsche hat verstanden, dass Kunden in dieser Preisklasse nicht für jedes Detail extra zahlen wollen. Auch bei der Assistenztechnik gibt es Fortschritte, darunter ein Spurwechselassistent mit Totwinkelüberwachung und eine verbesserte Steuerung der Fahrerassistenzsysteme über einen neuen Lenkstockhebel.
Günstig wird es nicht – aber das hat niemand erwartet. Der Porsche Taycan 4S Sport Turismo startet bei CHF 137’800.–, mit Sonderausstattung liegt unser Testwagen bei CHF 191’970.–. Ein stolzer Preis, der Leasingkunden vielleicht beruhigt auf die Restwert-Kalkulationen blicken lässt.
Leasingangebot gefällig? 10’000 km pro Jahr, 48 Monate Laufzeit, ein effektiver Jahreszins von 3,97 %. Die erste grosse Leasingrate schlägt mit CHF 27’500.– zu Buche, danach werden CHF 2’666.31 pro Monat fällig. Runtergebrochen kostet der Taycan also 3.82 CHF pro gefahrenen Kilometer – sofern man die vollen 40’000 km in vier Jahren nutzt.
Und der Restwert? Porsche scheint von CHF 60’000 bis 70’000 in vier Jahren auszugehen. Das macht den Taycan als jungen Gebrauchten umso interessanter. Aber bis es soweit ist, heisst es erst einmal: geniessen – und vielleicht trotzdem über eine höhere Rekuperationsstufe nachdenken.
















Die Ausstattung:
Oakgrünmetallic neo, Lederausstattung Clubleder Olea, trüffelbraun, 21-Zoll RS Spyder Design Räder, Komfortsitze vorn, (14-Wege, elektrisch) mit Memory-Paket, 4+1 Sitzanlage, Sitzbelüftung vorn, Porsche Swiss Package (im Wert von CHF 11’080.-), Garantieverlängerung 2 + 2 Jahre, Seitenscheibenleisten in Schwarz (hochglanz), LED-Türprojektoren „PORSCHE“ Schriftzug, Modellbezeichnung lackiert in Schwarz (hochglanz), Performancebatterie Plus, Getriebe Hinterachslenkung, Porsche Torque Vectoring Plus (PTV Plus), Porsche Active Ride, Sport Chrono Paket inkl. Push-to-Pass und Rundstreckenmodus, HD-Matrix LED-Hauptscheinwerfer, Panoramadach, Privacy-Verglasung, Akzent-Paket schwarz, Porsche Wappen auf Kopfstützen (Vordersitze), Türeinstiegsblenden Aluminium gebürstet inSchwarz, beleuchtet, Head-Up Display, Porsche InnoDrive inkl. Aktive Spurführung, HomeLink® (Garagentoröffner). Die Konfiguration findet ihr übrigens hier: http://www.porsche-code.com/PSESEIZ2
Was bleibt also!?
Wie bereits ausführlich beschrieben, bietet der Porsche Taycan 4S Sport Turismo weit mehr als nur beeindruckende Ladezeiten. Klar, die 20-Minuten-Ladung von 10 auf 80 Prozent ist in seiner Klasse unübertroffen, aber dieser Porsche definiert sich nicht nur über Reichweite oder Effizienz – sondern über Fahrgefühl, Qualität und Performance.
Als Luxusfahrzeug gleitet er beinahe lautlos über die Strasse, vermittelt Ruhe und Souveränität – bis man das Gaspedal durchtritt. Dann wird aus dem kultivierten Gran Turismo in Sekundenbruchteilen ein echter Sportwagen, der mit unmittelbarer Kraftentfaltung begeistert.
Auch das Interieur passt ins Bild: Hochwertige Materialien, ein modernes digitales Erlebnis und eine nahtlose Integration von Android Auto und Apple CarPlay. Man fühlt sich wohl, spürt die Verarbeitungsqualität – und ja, man bekommt hier, wofür man bezahlt.
Der Laderaum? Nicht gigantisch, aber alltagstauglich. Hinten gibt es mehr Platz als in einem 911, doch wer maximalen Stauraum sucht, ist woanders besser aufgehoben. Trotzdem: Der Taycan ist nicht zufällig eines der faszinierendsten Performance-Elektrofahrzeuge, die man in der Schweiz aktuell kaufen kann. Und das spricht für sich.

Die OML Konfiguration:
Redaktor René hätte sich noch eine Kontrastnaht in Gelb gewünscht, am besten als Option aus dem sündhaft teuren Exklusive Manufaktur Programm. Aber gut, Perfektion liegt bekanntlich im Detail.
Ein interessanter Fakt am Rande: Der Name „Taycan“ stammt aus dem Türkischen. „Tay“ bedeutet sinngemäss „junges, lebendiges Pferd“, während „Can“ für „Seele“ oder „Leben“ steht. Zusammengesetzt ergibt das „lebhaftes, junges Pferd mit Seele“ – eine passende Anspielung auf das Porsche-Wappen mit dem Stuttgarter Rössle und die Dynamik des vollelektrischen Sportwagens.
Und ja, das trifft es ziemlich genau. Der Taycan 4S Sport Turismo ist gross, breit und schwer – aber eben auch voller Energie und Charakter. Ein Elektro-Porsche, der beweist, dass Fahrspass und Alltagstauglichkeit keine Gegensätze sein müssen.
Und wo haben wir getestet?
Die Location war diesmal wenig spektakulär: Ein ruhiger Waldabschnitt im Osten von Winterthur, auf der Bucherstrasse zwischen Wiesendangen und Zünikon. Kein Hochglanz-Spot, keine Alpenpässe – einfach ein solider Testort für ein Auto, das ohnehin auf jeder Strasse auffällt.
Der Taycan 4S Sport Turismo begleitete uns eine Woche lang – als Leihgabe der Porsche Schweiz AG, ohne weitere Verbindlichkeiten. Ein elektrischer Porsche, der uns überrascht, begeistert und an manchen Stellen zum Nachdenken gebracht hat. Genau so muss es sein.