ElektroSportwagen.ch – Dein neues Elektro-Sportwagen-Magazin aus der Schweiz

Komm auf die „dunkle“ Seite der Elektromobilität: Agil wie eine Raubkatze, schnell wie der Blitz und dabei leise wie ein Ninja – das sind die neuen Elektrosportwagen, die bei uns ganz im Fokus stehen.

„Elektrosportwagen.ch“ ist der rein-elektrische Subblog von OneMoreLap.com – dem etablierten und „schnellsten“ Schweizer Autoblog.

Viel Freude beim Lesen.

Maserati GranTurismo Folgore (761 PS / 1350 Nm)

M wie Mut oder Maserati. Manchmal braucht es Mut. Viel Mut. So wie Dwight D. Eisenhower mit dem Interstate-System die Mobilität Amerikas revolutionierte oder Steve Jobs mit dem iPhone das Zeitalter der Smartphones einläutete, hat Maserati, bekannt für ihre Achtzylinder-Motoren, mal frech das erste vollelektrische zweitürige Sport-Coupé in Serienproduktion aus dem Arm geschüttelt. Der Maserati GranTurismo Folgore will zeigen, dass elektrischer Antrieb und italienische Leidenschaft sich nicht ausschliessen – doch reicht dieser Pioniergeist aus, um die Herzen derer zu gewinnen, die den Klang eines V8 mit Gänsehaut verbinden? Finden wir das gemeinsam heraus.

Einsteigen, Startknopf am Lenkrad betätigen und wir rollen los. Die schmale Ausfahrt in der Maserati Tiefgarage ist dank 360-Grad-Kamera kein Problem. Kriechen wir also durch Zürich, von Ampel zu Ampel, schlussendlich endlich über die Hardbrücke und raus in Richtung Autobahn. Tempo 50, Tempo 60, Tempo 80. Langweilig. Trotzdem habe ich grosse Freude an jedem gefahrenen Meter.

Warum? Wir sitzen hier endlich im ersten „Elektrosportwagen“ aus Serienfertigung – der Motivation hinter diesem Sub-Blog von OneMoreLap.com – klassisch mit 2 Türen, 2+2 Sitzkonfiguration. Kein 4-türiges Coupé, kein Cabrio und schon gar kein Ich-kann-alles-und-gar-nichts-SUV-Coupé. Ich geniesse die Sportwagen-Ergonomie, sitze knapp über dem Asphalt, gegenüber einem normalen SUV sitze ich mit der Fahrzeughöhe von nur 1.35m im Untergeschoss. Im Rückspiegel stets die ausgestellten Radhäuser der Hinterachse. Herrlich.

Die Autobahnetappe ist somit ein Leichtes. Dank Luftfederung und langem Radstand schwebe ich im besten Komfort dahin. Geräusche dringen, dank Akustikverglasung nur wenige in den Innenraum – es bleibt auch bei höheren Geschwindigkeiten angenehm leise. Ich nehme eine Ausfahrt vorher und fahre noch eine OneMoreLap – dafür gehe ich raus aus dem „GT-Modus“ und rein in „Corsa“. Zur Auswahl stehen „Max Range“, „GT“, „Sport“ und „Corsa“ – ziemlich selbsterklärend.

In Corsa, dem schärfsten Modus, werden ESP und Traktionskontrolle zurückgebunden, das Drehmoment wird von den drei Motoren schlagartig abgegeben, Torque Vectoring maximiert die Leistung in der Kurvenfahrt und am Kurvenausgang. Die Dämpferkennlinie wird härter und das Fahrzeug senkt sich ab. Das digitale Armaturenbrett wechselt in den Corsa-Modus und zeigt nur noch die wichtigsten Leistungsparameter an, einschliesslich der Überwachung der Batterietemperatur (ein wichtiger Faktor für die Leistung) und der Drehmomentverteilung.

Was nun folgt ist jenseits von Gut und Böse. Bis Landstrassentempo drehen die Räder (meistens hinten, bei tiefen Tempi oder Nässe gerne aber auch alle) bei Vollgas direkt durch, in Kurven artet das zu wilden Heckschwenks aus, hier werden 1350 Nm Drehmoment schlagartig auf vier hoffnungslos-überforderte Winterreifen losgelassen. Wow. So viel Handschweiss ist seit dem Ferrari SF90 mit Semislicks auf einer pitschnassen Rennstrecke nicht mehr in ein Lenkrad geflossen.

Erschreckend ist nicht das Fahrverhalten, sondern dass Maserati das seinen Käufern zutraut – wir sprechen hier ja von einem GT und keinem reinrassigen Sportler wie dem MC20. Doch unterdessen denke ich, dass der „Folgore“ genau so konzipiert wurde. Im 90-sekündigen-Video von Maserati werden die Verbrennerversionen „Modena“ und „Trofeo“ eher als brav portraitiert, während die „Folgore“ Version mit durchdrehenden Rädern aus der Box schiesst und anschliessend auf der Strecke die Kurven mit wilden Powerslides durchfährt und die beiden Verbrennerversionen dem „Folgore“ den Weg frei machen. Gewollt? Ich denke schon.

Hat man sich mal an die (Traktions-)Grenze herangetastet, fährt es sich in Corsa nämlich ganz famos. Die Lenkung ist ein Traum an direkter Rückmeldung, ohne dabei übermässige Lenkkräfte einzufordern, die Bremsen packen ordentlich zu und das auch mehrere Male hintereinander, die Gaspedalkennlinie ist jedoch das Highlight.

Kein Elektroauto liess sich bisher so gut „modellieren“ und mit dem Gas lenken. Druckpunkt und Feedback sind auf einem Level, was ich sonst nur bei den besten Verbrennersportwagen so gespürt habe. Das ist essenziell – mit einer wilden Art der Leistungsabgabe und bis zu 1350 Nm braucht es auch viel Vertrauen – das ist hier gegeben und macht höllisch Spass – wenn man sich mal „rangetastet“ hat.

Der Maserati fühlt sich in schnellen Kurvenkombinationen besonders wohl, wo er seinen langen Radstand voll ausspielen kann. Dank der präzisen Drehmomentverteilung (Torque Vectoring), der Luftfederung mit Adaptivdämpfern und der hervorragend abgestimmten Lenkung gelingen ein präzises Einlenken und ein spürbares Feedback über die Vorderachse.

Beim Herausbeschleunigen lässt sich der verfügbare Grip dank der fein abgestimmten Gaspedalkennlinie optimal nutzen. Das präzise Feedback unter Last und in der Nähe des Limits vermittelt das Gefühl, ein besserer Fahrer zu sein, als man tatsächlich ist – genau das zeichnet für mich einen grossartigen Sportwagen aus. Ich will damit vertraut arbeiten, wie ein gut sitzender Handschuh – das ist hier gegeben und macht wirklich grosse Freude. Grande Maserati!

Der künstliche Sound, der im Corsa-Modus deutlich lauter wird, unterstreicht zwar das Gefühl von Geschwindigkeit, doch ich würde mir wünschen, dass er sich abschalten lässt. Ein Auto, das so schnell, elegant und präzise ist, könnte seine Qualitäten auch still und souverän ausspielen. Die Zeiten haben sich geändert – heute geniesse ich es, leise unterwegs zu sein, inkognito, ohne Dröhnen im Innenraum und ohne den Unmut der Anwohner auf mich zu ziehen. Und das Beste: Ich lade den Sportwagen nach der schnellen Hatz zu Hause über die Solaranlage auf. Nachhaltiger lässt sich Sportwagenspass kaum realisieren.

Zurück zum Thema. Woher kommt den die Leistung? Nun, unter der italienischen Karosserie arbeitet ein 800-Volt-System, das aus der Formel E abgeleitet wurde und von Marelli Motori geliefert wird. Drei Elektromotoren – einer vorne, zwei hinten – liefern zusammen 761 PS und ein sofort verfügbares Drehmoment von bis zu 1350 Nm. Das ist allerdings nur im Corsa Modus zu erleben und glauben Sie mir – erleben ist untertrieben. In 2,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Schluss wäre laut Datenblatt erst bei 320 km/h.

Die technische Architektur des GranTurismo basiert auf einem innovativen Multi-Material-Ansatz. Aluminium, Magnesium und hochfester Stahl sorgen für eine optimale Gewichtsverteilung. Der Schwerpunkt liegt niedrig, was die Agilität in Kurven maximiert, trotzdem haben wir 2260 kg auf der Waage.

Aussencheck. Schnell wird klar: Der GranTurismo Folgore bleibt sich treu – eine klassische Silhouette mit langer Motorhaube, fliessenden Linien und dem ikonischen Tridente-Grill. Doch im Detail erkennt man die subtile Revolution. Neue vertikale LED-Lichtsignaturen und ein aerodynamisch optimiertes Design, das den technischen Fortschritt unterstreicht, machen ihn zu einer perfekten Mischung aus Tradition und Moderne – gefällt!

Im Innenraum setzt sich die Balance zwischen Luxus und Technologie fort. Hochwertige Materialien wie Leder, Alcantara und Carbon zieren das Cockpit, während das neue Infotainment-System mit einem 12,3-Zoll-Touchscreen und optionalem Head-up-Display den Fahrer mit allen wichtigen Informationen versorgt. Die „Digital Clock“, ein zentrierte Uhr in der Mitte des Armaturenbretts, ein absolut typisches Maserati-Element, wurde modern interpretiert und bietet nun digitale Anzeigen wie einen G-Meter oder eine Stoppuhr.

Die Liebe zum Detail ist spürbar – aber nicht überall. Einige Knöpfe und Schalter, besonders am Lenkrad, wirken weniger hochwertig, was angesichts des Preises etwas enttäuscht. Dafür gefällt die Sonus/Faber Soundanlage mit klaren Höhen und druckvollen Mitten. Der digitale Rückspiegel ist ein nettes Gadget, aber solange die Sicht nach hinten nicht blockiert ist, sehe ich den Mehrwert nicht.

Fahrassistenzsysteme sind im GranTurismo angekommen. Sie funktionieren, wenn auch nicht perfekt, die Spurführung fährt sehr „digital“ und hat eine Tendenz von Linie zu Linie zu fahren. Die Bildqualität der Rückfahrkamera könnte etwas moderner sein, aber genug der Kritik. Gefallen haben mir die Elektroauto-spezifischen-Funktionen, also ich denke da an die Echtzeit-Reichweitenanzeige (Dynamic Range Mapping 2.0), die intelligente Routenplanung (EV Routing 2.0) mit automatischer Integration von Ladestopps, sowie die Fähigkeit, die Kabinentemperatur vorzuwärmen oder zu kühlen. Das wirkt nicht nachträglich einprogrammiert und schwierig zu erreichen wie bei vielen anderen Elektroautos, die auch Verbrennerbrüder haben, sondern sehr zentral.

Die Reichweite gibt Maserati mit bis zu 420 km an. Ja, das ist möglich im Sommer und im Kriechgang. Bei sehr sportlichen Fahrten lag ich zwischen 40 – 50 kWh, so dass ich die 83-kWh-Batterie (brutto 92.5 kWh) in weniger als 200 km geleert hätte. In einem gemischten Fahrprofil sehe ich 300 km im Winter und 350 km im Sommer als realistisch. Interessant ist nun die 800-Volt-Technologie, die es möglich macht, in nur 15 Minuten bis zu 300 Kilometer Reichweite nachzuladen. 270 kW DC Ladespeed ist absolut zeitgemäss.

Was bleibt also?
Maserati beweist, dass die Welt den Mutigen gehört – denen, die bereit sind, italienische Leidenschaft mit Innovation zu verbinden und neue Wege zu gehen. Der GranTurismo Folgore ist einerseits perfekt für den Alltag, wie den Weg zum Büro oder durch enge Gassen, anderseits aber auch für die sportliche Extrarunde „OneMoreLap“ am Wochenende. Er macht beides mit Stil und lässt auf Wunsch die Pferde so richtig fliegen. Doch als Gran Turismo im klassischen Sinne der „grossen Reise“ sehe ich den Folgore eher weniger. Die Reichweite steht ihm auf echten Langstrecken etwas im Weg. Dafür freuen wir uns umso mehr auf den kommenden MC20 Folgore, der diesen Fahrspass-Charakter in einer puristischeren, leichteren und kompromissloseren Form noch besser ausleben dürfte.

Unser Verbrauch lag im Schnitt bei 23.2 kWh. Der Basispreis beginnt bei CHF 222’300 CHF, der Testwagenpreis bei 227’748 CHF.

Der Elektrosportwagen.ch-Konfigurationstipp:
Aussenfarbe Blu Modena Metallic, 20/21″ geschmiedete Leichtmetallräder im ASTREO-Design, matt dunkel mit Diamant-Schliff, Leder Nero

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