Vor knapp drei Jahren stand er als ID. GTI Concept auf der IAA. Heute, exakt 50 Jahre nach dem ersten Golf GTI, debütiert er als Serienmodell beim 24h-Rennen am Nürburgring.
Im September 2023 haben wir hier auf elektrosportwagen.ch über das ID. GTI Concept berichtet – mit dem damaligen Wunsch, dass möglichst viele Attribute auch optisch in die Serienreife finden. Volkswagen scheint mitgelesen zu haben. Der heute weltpremiierte ID. Polo GTI ist mehr als nur ein Concept-zu-Serie-Transfer – er ist die ehrlichste Antwort auf die Frage, wie ein GTI im Elektrozeitalter aussehen muss.
Spannend dabei: Der A290 GTS, den wir letzten Sommer gefahren sind (Fahrbericht hier), und der neue ID. Polo GTI sind technische Geschwister, ohne es so richtig zu sein. Beide kommen mit 52-kWh-Batterie, beide setzen auf Vorderachsantrieb mit elektronisch geregelter Quersperre, beide bewegen sich um die 220 PS. Aber sie kommen aus völlig unterschiedlichen Welten – und das wird der spannendste Vergleich im Hot-Hatch-Segment der nächsten Monate.

Antrieb und Leistung – fast Pari, in der Charakteristik anders
Schauen wir uns die Pressemappe genauer an. Der ID. Polo GTI nutzt das Antriebssystem APP290 mit 166 kW (226 PS) und 290 Nm Drehmoment – dauerhaft verfügbar, ohne das übliche Boost-Theater anderer Elektromodelle. 0 auf 100 in 6,8 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit nennt VW noch nicht.
Genauso wie die A290 GTS hat auch der ID. Polo GTI einen dedizierten Push-Button am Sportlenkrad – beim VW heisst er schlicht „GTI“. Per Knopfdruck schalten Antrieb, Lenkung und das adaptive DCC-Sportfahrwerk auf maximale Dynamik. Das Cockpit wechselt zudem in eine spezifische Farb- und Grafikwelt.

Vorderachsquersperre, DCC, Progressivlenkung – das Pflichtprogramm
Hier wird’s interessant für Fahrwerks-Nerds. Die elektronisch geregelte Vorderachsquersperre ist beim ID. Polo GTI serienmässig. Das ist heute der einzige Weg, ein frontgetriebenes Elektroauto mit ehrlichem Drehmoment ohne grobes Torque Steer aus engen Kurven zu bringen.
Was VW zusätzlich serienmässig liefert:
- Adaptives DCC-Sportfahrwerk mit variabler Dämpferkennung
- Progressivlenkung speziell für den GTI entwickelt – mit variabler Übersetzung
- 19-Zoll-Leichtmetallräder serienmässig
- Optional: Bridgestone Potenza Sport (235/40/19), eigens für den ID. Polo GTI entwickelt

Batterie und Laden – die nüchterne Seite
Der ID. Polo GTI nutzt eine 52-kWh-Batterie – genau gleich wie die Alpine A290. VW kitzelt aber 44 km mehr WLTP-Reichweite und fünf kW mehr DC-Ladeleistung raus. Das wird vor allem an der Aerodynamik und an einer feineren Software-Abstimmung liegen.
Aus unserem A290-Test wissen wir: „Im gemischten Betrieb mit schneller Landstrasse sehe ich 280 bis 320 Kilometer als realistisch, bei kalten Temperaturen eher weniger.“ Auf den ID. Polo GTI übertragen, dürften das eher 310 bis 360 Kilometer im realen Mischbetrieb sein – nicht spektakulär, aber für den Alltag absolut tauglich.
VW betont eine „besonders konstante Ladekurve“. Das ist im Alltag oft wichtiger als ein einmaliger 250-kW-Peak, der nach drei Minuten wieder einknickt. Wer schon einmal an einer Ionity gestanden ist und live mitverfolgt hat, wie ein deutsches Premium-SUV in drei Stufen auf 60 kW heruntertaktet, weiss, was eine flache, konstante Kurve wert ist.

Pure Positive Design
Optisch folgt der ID. Polo GTI Volkswagens neuer Designsprache „Pure Positive“ – klar, ausgewogen, kraftvoll. Pflichtprogramm vorne: der ikonische rote Streifen über fast die gesamte Breite, mit eingepasstem 3D-GTI-Logo links. Darüber eine LED-Lichtleiste, das illuminierte VW-Zeichen und die serienmässigen IQ.LIGHT LED-Matrix-Scheinwerfer. Im Lufteinlass das GTI-typische Wabenmuster, flankiert von zwei rot lackierten Vertikalelementen, die an Motorsport-Schleppösen erinnern.
Hinten: ein markanter geteilter Dachkantenspoiler (Alleinstellungsmerkmal des GTI gegenüber den anderen ID. Polo-Varianten), eine IQ.LIGHT-LED-Rückleuchten-Grafik mit dreidimensionalen LED-Elementen aussen und einem transparenten, rot illuminierten Bereich dazwischen, plus rot illuminiertes VW-Logo und zweiteiliger, schwarzer Heckdiffusor.

Interieur: Schottenkaro am Start
Im Innenraum dominieren beim ID. Polo GTI die Farben Rot und Schwarz. Die Details aus der Pressemappe sind bemerkenswert konsequent:
- Rote Ziernähte im GTI-Sportlenkrad, im Armaturenbrett, in den Türen, an den Topsportsitzen und an der Rücksitzanlage
- Auf 12 Uhr eine rote Markierung im Lenkradkranz wie im Motorsport
- Auf den Innenflächen der Sitze: das legendäre Schottenkaro der historischen GTI-Modelle, neu interpretiert – wahrscheinlich das zweitbeste Heritage-Detail im Auto
- In den Kopfstützen der vorderen Sportsitze ein rotes GTI-Zeichen
- Beleuchtetes GTI-Zeichen im Multifunktions-Sportlenkrad
- Zwei Paddles zum Einstellen der Rekuperationsstufen



Die „Retro-Anzeige“ – das beste Feature aus dem Concept
Was sich definitiv vom Concept in die Serie gerettet hat und mein Heritage-Lieblingsdetail ist – die Retro-Anzeige im Digital Cockpit. Über die View-Taste am Lenkrad lassen sich die Instrumente eines späten Golf I aktivieren. Und – das ist die wirklich liebenswerte Eigenheit – auch das 12,9-Zoll-Infotainmentdisplay wechselt dann in eine Golf-I-Grafikwelt. Die Track-Anzeige für Songs wird dann als Kassette dargestellt. Das ist die Art Detail, bei der man weiss: hier hat jemand mit einem Augenzwinkern gearbeitet, der selbst noch einen MK1 in der Familie hatte.

Raumwunder im Kleinformat
Dank kompakter E-Antriebsmodule legt der ID. Polo GTI gegenüber dem Verbrenner-Vorgänger zu: 19 mm mehr Innenraum, mehr Innenraumbreite und mehr Kopffreiheit. Das Kofferraumvolumen wächst um über 25 Prozent von 351 auf 441 Liter. Umgeklappt sind es 1240 Liter (statt 1125). Plus abnehmbare Anhängerkupplung mit 1,2 Tonnen Anhängelast (gebremst, 12% Steigung) und 75 kg Stützlast. Damit gehen problemlos zwei E-Bikes auf den Fahrradträger oder ein Motorrad auf einem Anhänger.
Optionalitäten: Massagesitze, Harman Kardon, Connected Travel Assist
Aus der Sonderausstattungsliste stechen drei Punkte heraus:
- Harman Kardon Soundsystem mit 425 Watt, zehn Lautsprechern, Center-Speaker und Subwoofer
- Pneumatische Massage-Funktion der elektrisch einstellbaren 12-Wege-Vordersitze – ein Novum im B-Segment. VW geht hier in Richtung Langstrecken-Komfort.
- Connected Travel Assist mit Ampelerkennung – ein wirklich nützliches Feature im Alltag. Plus serienmässig One-Pedal-Driving über die Regulierung des Fahrpedals allein.
Optionales Panorama-Glasdach ist beim VW ebenfalls verfügbar.
Preis: Hier wird’s spannend
Vorverkauf startet im Herbst 2026, Preis knapp unter 40’000 Franken. Heisst: Volkswagen positioniert den ID. Polo GTI mit Absicht als den Volume-GTI – nicht als Premium-Sportler, sondern als zugänglichen elektrischen Hot-Hatch für Menschen, die einen Polo-GTI-Daily wollen, nicht ein Wochenend-Spielzeug. Konkurrenten: Alpine A290, Cupra Raval VZ, MINI Cooper SE.
Der konzerninterne Zwilling: CUPRA Raval VZ



Was bei VW „ID. Polo GTI“ heisst, heisst bei CUPRA „Raval VZ“. Beide Autos teilen sich die MEB+-Plattform, das APP290-Antriebssystem, die 52-kWh-PowerCo-Einheitszellenbatterie und die 226 PS auf der Vorderachse. Sprint, Drehmoment, Ladeleistung, Quersperre – alles identisch.
Wo CUPRA einen Schritt weiter geht: DCC mit +5 % höherer Steifigkeit in der VZ-Spezifikation, Sport-Achsschenkel mit erhöhtem Sturz, ein ESC-OFF-Modus und das One-Box-Bremssystem, das Bremskraftverstärker und ESC-Modul vereint. Plus serienmässig 19-Zoll mit 235er-Reifen (beim VW optional), CUP-Bucket-Sitze im AHEAD-Paket mit 3D-gestrickter Polsterung und die deutlich aggressivere Helm-inspirierte Sharknose-Front.
Wir vermuten jetzt mal frech vorab: Wer das mechanisch schärfere Auto will, geht zu CUPRA. Wer das Heritage-Auto mit Schottenkaro und Kassetten-Anzeige will, zu VW. Beide kommen 2026 in den Handel, der Raval VZ sogar einige Wochen früher.



Fazit aus der Steckdose
Volkswagen hat geliefert. Der ID. Polo GTI wird wohl die konsequenteste und pragmatischste Übersetzung des GTI-Konzepts ins Elektrozeitalter. Frontantrieb, Quersperre, klare Optik, alltagstauglich, mit echter Heritage-Pflege bis zur Kassette als Track-Anzeige. Plus deutlich mehr Reichweite, mehr Platz, schnellere Ladekurve und einen Preis, der ihn vom Premium-Niveau abrückt.
Wir freuen uns auf den ersten Fahrbericht. Spätestens dann sehen wir, ob die Front- und Querdynamik so gut ist, wie das Datenblatt sie verspricht. Und dann gibt’s hier vermutlich auch das Fernduell A290 GTS vs. ID. Polo GTI – auf unserer Heimstrecke.
Anmerkung der Redaktion: Der Vorverkauf des ID. Polo GTI startet im Herbst 2026 zu einem Preis von knapp unter 40’000 Franken. WLTP-Reichweite bis zu 424 km, abhängig von Fahrstil, Geschwindigkeit, Aussentemperatur, Zuladung und Topografie.