Jaguar wollte immer BMW sein. Der F-Pace sollte den X3 holen, der XE den Dreier, der XF den Fünfer. Sie hatten dafür sogar den Heckantrieb, was heute kaum noch jemand hat. Geholfen hat es nichts und was uns aus dieser Zeit in Erinnerung bleibt, ist ausgerechnet das einzige Auto, das niemanden kopieren wollte: der F-Type.
Woraus Coventry nun folgenden Schluss gezogen hat: Wenn man schon an BMW scheitert, legt man die Latte eben höher und greift Rolls-Royce an. Konkret den vollelektrischen Spectre. Der Name klingt sogar nach einem Bond-Film und Bond fährt bekanntlich JLR, zuletzt den Defender in No Time to Die. Der Type 00 hat es derweil schon in ein offizielles Bond-Spiel geschafft. Auf die Konsole also vor den Showroom. Man stellt sich die Sitzung vor, in der das zum ersten Mal ausgesprochen wurde und hört förmlich, wie der halbe Raum zu speicheln beginnt. Marvellous!
Herausgekommen ist der Type 01.
Nun wurde aus dem Konzept ein verkaufsfertiges Auto mit einigen Zahlen, soweit man sich einig wurde: Statt zwei Türen nun vier, 118 kWh an 850 Volt, 350 kW Ladeleistung, bis zu 724 Kilometer nach WLTP, drei Motoren, über 1000 PS, 1365 Nm, 3,2 Sekunden auf hundert. 5,2 Meter lang, über zwei Meter breit, rund 2,7 Tonnen. Ab 165’000 Euro. Serienbereifung 23 Zoll, kleinere Räder gibt es nur für Länder mit Schneekettenpflicht, also für uns.
Vom Inselvolk und seiner Energiepolitik
Dass dieses Auto ausgerechnet jetzt kommt, hat natürlich eine Vorgeschichte und die ist britisch in jeder Hinsicht. Erst beschloss man, ab 2030 nur noch Elektroautos zuzulassen, womit Jaguar 2023 seine Strategie begründete. Im April 2025 ruderte dieselbe Regierung zurück, Hybride und Plugins dürfen nun bis 2035 verkauft werden, Kleinserienhersteller sogar reine Verbrenner. Die Londoner City-Maut war für Stromer jahrelang gratis, seit dem 2. Januar 2026 zahlen auch sie, 13,50 Pfund statt 18. Und weil die Mineralölsteuer wegbricht, plant man nun eine Abgabe von drei Pence pro elektrisch gefahrener Meile. Zehntausend Meilen im Jahr, 300 Pfund extra. Der average Joe darf das dann bezahlen und sich bedanken. Cheers, mate.
Der Premiummarkt für Elektroautos ist derweil eingebrochen, die Restwerte sind da, wo man sie nicht sucht und selbst der elektrische Mercedes G wurde mangels Bestellungen eingestellt.
Wie man es macht
Bentley hat vorgemacht, wie das funktioniert und zwar ohne grosses Geschrei. Der Torcal ist ein Crossover auf der Technik des elektrischen Cayenne und wir sind uns wohl einig, dass die Leute in Zuffenhausen wissen, wie man ein Auto baut. 173’300 Pfund, damit das „günstigste“ Modell im ganzen Portfolio. Unter dem Bentayga positioniert, nicht darüber. Er fährt unter der Woche den Continental GT und damit am Wochenende nach Südfrankreich, sie nimmt für Hund, Einkauf und Fitnessstudio den Torcal. Dass Bentley sein Ziel, bis 2030 vollelektrisch zu sein, längst gestrichen hat, weil die Kundschaft nicht so weit sei, sagt der Chef inzwischen offen. Lamborghini hat den ersten Stromer ans Ende des Jahrzehnts verschoben, McLaren plant gar keinen.
Zurück zum Obelix’schen Sparschäler
Denn genau das ist der Type 01. Zwei Meter Motorhaube, darunter nix ausser lauwarme Luft und ein Staufach, das Jaguar selbst winzig nennt. Keine Heckscheibe, hinten zwei Plätze, zu gross für europäische Garagen. Zu elektrisch für die Emirate, die Vereinigten Staaten und Asien, wo man von Batterien im Luxussegment bisher wenig wissen will. Ein Range Extender? Nein. Ein Hybrid, irgendetwas mit Stecker und Reserve, falls der Markt noch zwei Jahre braucht? Nein. Es gibt keinen Plan B, es gibt nicht einmal einen Plan A1.
Man sollte dabei nicht vergessen, dass dieselbe Firma im Herbst 2025 sechs Wochen lang gar nichts produzierte, weil jemand in ihre IT spaziert ist. Teuerster Cyberangriff der britischen Geschichte, 1,9 Milliarden Schaden für die Volkswirtschaft, ein schrumpfendes BIP und eine Staatsgarantie über 1,5 Milliarden Pfund, damit das Licht anbleibt. Betreut wurde die Sicherheit vom IT-Arm der eigenen Konzernmutter.
Zurück bleibt ein Auto, das überleben muss. Und eine Marke, die es nicht geschafft hat, ein Dreier zu sein, und deshalb beschlossen hat, ein Rolls-Royce zu werden. Katzen haben sprichwörtlich immerhin sieben Leben, in England sogar neun.

















