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Zeekr 7GT Privilege AWD Launch Edition im Test: Krass und das alles zu diesem Preis

Zeekr 7GT Privilege AWD Launch Edition im Test: Krass und das alles zu diesem Preis

Ich, René, bin bekannt als Automobil Prolet der Nullerjahre. Die letzten Generationen der grossen Saugmotoren, gern auch mit Zwangsbeatmung, möglichst analog, ohne elektronische Helferlein und ohne Computer, die mitreden. Die typische Zielgruppe für einen chinesischen Elektro GT bin ich nicht. Und doch stand ich vor einigen Monaten in einer Mittagspause vor einem 7GT, bin einmal um ihn herum und habe gedacht: Der ist aber klasse. Nordisch, klar, eigenständig, kein Auto, das aussieht, als hätte es ein Algorithmus aus drei anderen zusammengerechnet. Ich habe insgeheim gehofft, den OneMoreLap Testwagen für mich allein zu bekommen. Es hat geklappt.

Einige Wochen später in Safenwil den Schlüssel übernommen. Keine grosse Einführung, keine Instruktionen, nicht einmal der Mietvertrag war vorab unterzeichnet. Alles wurde in den folgenden Tagen mit den Zeekr Leuten unkompliziert geregelt. Der 7GT ist von Anfang an intuitiv, man setzt sich rein und fährt. Und während der zwei Wochen und 3000 Kilometer kommt mir ein Gedanke immer wieder: Krass, und das alles zu diesem Preis.

Zur Einordnung: Der Testwagen ist die Privilege AWD Launch Edition, also das Topmodell mit Allrad, 646 PS, Luftfederung, 20 Zoll Rädern, orangen Bremssätteln, schwarzem Dach und Vollausstattung. CHF 59’990. Zeekr nennt ihn ein echtes Fahrerauto, entworfen und entwickelt in Göteborg, abgestimmt auf europäische Strassen. Das erste stimmt zur Hälfte, das zweite ganz.

Zeekr 7GT Privilege AWD Launch Edition im Test: Krass und das alles zu diesem Preis

Zügige Fahrt auf der Landstrasse

Hier zuerst die Nachricht, die der Petrolhead hören will: Der Antritt ist enorm. 710 Nm liegen sofort an, die Traktion ist mit zwei Motoren und Allrad über jeden Zweifel erhaben und der 7GT beschleunigt wie ein Silberpfeil. Überholen ist eine Frage des Gedankens, nicht des Anlaufs. Leistung ist jederzeit reichlich vorhanden, auch aus 120 heraus.

Und dann die Nachricht, die er nicht hören will: Dieses Fahrwerk ist nicht für die Landstrasse gebaut. Die Luftfederung mit stufenloser Dämpfung ist deutlich komfortorientiert abgestimmt, vielleicht sogar etwas zu komfortabel für etwas, das GT heisst. Schnelle Landstrassen liegen dem 7GT weniger. Enge, zügig gefahrene Kurven mag er nicht besonders. Spitzkehren erst recht nicht. Die Lenkung, im Alltag leicht und angenehm, signalisiert diese Grenzen recht deutlich: Sie wird nicht schwerer, sie wird unverbindlicher. Man spürt, wie die Masse nach aussen will und wie die Elektronik sie wieder einfängt. Es passiert nichts Unangenehmes. Es passiert nur nichts, was Spass macht.

Der Sport Modus senkt das Auto um 20 Millimeter ab und strafft die Dämpfer. Es hilft, aber es macht aus einem Reisewagen keinen Sportwagen. Hohe Motorleistung bedeutet hier nicht automatisch hohe Kurvendynamik. Nach zwei Tagen hat sich mein Fahrstil angepasst. Ich fahre den Zeekr wie damals den Mercedes E400 von Onkel Kurt: früh bremsen, sauber einlenken, auf der Geraden den Hammer fallen lassen. Und genau so funktioniert das Auto hervorragend. Auf dem Papier steht Doppelquerlenker vorne, Fünflenker hinten, 50 zu 50 Gewichtsverteilung. Das ist die Hardware eines Fahrerautos. Die Abstimmung ist die eines Gleiters. Zeekr hätte sich entscheiden können. Hat es aber nicht und für die meisten Käufer ist das die richtige Entscheidung.

Antrieb & Technik

Der 7GT steht auf der 800 Volt Plattform SEA, die Zeekr auch im 7X und 9X nutzt. Im Privilege AWD arbeiten zwei Motoren, 165 kW an der Vorderachse und 310 kW an der Hinterachse, zusammen 475 kW oder 646 PS und 710 Nm. 0 auf 100 in 3,3 Sekunden, Spitze 210 km/h. Dazu die 100 kWh NMC Batterie mit 655 km WLTP Reichweite.

Die Zahl, die im Alltag mehr zählt, ist die Ladeleistung: bis 420 kW am Schnelllader, 22 kW an der Wallbox. Ich habe keine Stoppuhr mitlaufen lassen, aber die Ladestopps auf dem Roadtrip waren so kurz, dass sie als Kaffeepause durchgingen, nicht als Wartezeit. Das Zusammenspiel aus grosser Batterie, hoher Ladeleistung und der Navigation ist das, was den 7GT auf der Langstrecke so entspannt macht. Praktisch keine Reichweitenangst, auch nicht bei Autobahntempo.

Die Navigation verdient einen eigenen Absatz. Zeekr hat sie in sechs Monaten mit Kundenfeedback entwickelt, sie hat 2025 einen Preis gewonnen und sie ist das beste Stück Software im Auto. Die Ladeplanung lässt sich bis ins Detail einstellen: gewünschter Ladestand am Ziel, Auswahl der Ladepunkte, Filter nach Ladegeschwindigkeit, Berücksichtigung der Ladepreise. Das System plant die Route, setzt die Stopps und vermittelt eine Sicherheit, die man in einem Elektroauto auf fremden Strecken sonst selten hat. Für Köln und Nürnberg habe ich keine zweite App gebraucht.

Sportlicher Verbrauch über die 3000 Kilometer: 21.5 kWh pro 100 km. Werksangabe 16,6 bis 19,8.

Zeekr 7GT Privilege AWD Launch Edition im Test: Krass und das alles zu diesem Preis

Autobahn

Nach rund eineinhalb Wochen Alltag folgt der Wochenendtrip über Köln und Nürnberg. Hier ist der 7GT zuhause. Im Comfort und Eco Modus gleitet er, die Luftfederung senkt sich bei höherem Tempo automatisch um 20 Millimeter ab, der cW Wert von 0,25 hält den Verbrauch im Zaum. Akustikglas rundum, doppelte Türdichtungen, rahmenlose Türen, die trotzdem dicht sind. Man hört wenig und das wenige ist angenehm.

Die Assistenten arbeiten unauffällig, die adaptive Geschwindigkeitsregelung hält Abstand, die Spurzentrierung zieht nicht am Lenkrad. Das Augmented Reality Head up Display mit 35,5 Zoll Breite legt die Navigation auf die Strasse, man schaut nicht mehr runter. Die Rundumsicht über die sieben Kameras ist exzellent, die Darstellung von anderen Fahrzeugen, Velos und Fussgängern im Display hilft im Stadtverkehr mehr, als ich erwartet hätte.

Der Roadtrip war das, was ein GT sein soll: entspanntes, souveränes Vorankommen, hoher Reisekomfort, kurze Ladestopps, keine Diskussion über die Route. Zwei Wochen schönes Wetter, 3000 Kilometer, Testwagen fast ohne Verschmutzung zurückgegeben. Eine aussergewöhnlich entspannte Testzeit.

Exterieur

Der 7GT ist ein grosses Auto, 2900 Millimeter Radstand, 1456 Millimeter hoch, und trotzdem elegant und stimmig. Kurzer vorderer Überhang, niedrige Haube, weit hinten sitzende Kabine, eine Dachlinie, die in einem 21 Grad Winkel in den Heckspoiler ausläuft. Zeekr nennt das den GT Winkel. Matrix LED Scheinwerfer als schmale Schlitze, Kameras und Sensoren in die Linien integriert, ein aktiver Lufteinlass, der nur öffnet, wenn er muss. Hinten ein durchgehendes Leuchtenband, das aussieht, als hätte jemand mit dem Messer in die Karosserie geschnitten. Entenbürzel, Diffusor, geteilter Dachspoiler.

Im Privilege dazu 20 Zoll Räder, orange Sättel vor belüfteten Scheiben und das schwarze Kontrastdach. Das Auto ist in praktisch jeder Situation gut angezogen, vor dem Hotel in Köln so wie auf dem Parkplatz beim Coop. Ich habe mich nach dem Aussteigen regelmässig nochmals umgedreht. Das letzte Mal ist mir das bei einem E60 M5 passiert.

Die Ehrlichkeit verlangt den Nachsatz: Die Optik verspricht mehr Sportlichkeit, als das Fahrwerk später einlöst. Wer den 7GT nach dem Aussehen kauft, erwartet einen Panamera Konkurrenten. Er bekommt einen sehr gut aussehenden E400.

Interieur & Bedienung

Innen ist der 7GT ein Lounge. Vier Personen sitzen ausgesprochen bequem, der fünfte in der Mitte findet noch Platz. Die Chinesen bauen offensichtlich nicht nur für den Fahrer. 953 Millimeter Beinfreiheit im Fond, Lehnen um 20 Grad neigbar, beheizt und elektrisch, dazu ein Panoramaglasdach mit 1,73 Quadratmetern ohne Sonnenblende, weil das Glas 99 Prozent der UV Strahlung filtert. Vorne 12 fach verstellbare Sitze mit ausziehbarer Sitzfläche, Massage, Heizung und Belüftung serienmässig. Materialien hochwertig, modern, wohnlich. Auch nach zwei Wochen gefällt uns das Interieur noch.

Der Fahrer sitzt tief, die Mittelkonsole ist hoch, das Dreispeichenlenkrad hat konfigurierbare physische Tasten, die Konsole ebenfalls, in Klaviertasten Optik mit gefräster Metalloberfläche und gedämpftem Anschlag. Dahinter ein 13 Zoll Fahrerdisplay, in der Mitte ein 15 Zoll OLED Screen, darunter zwei Ladepads mit 50 Watt. Die Zeekr Sound Pro Anlage mit 23 Lautsprechern und 2160 Watt hat Lautsprecher in der Fahrerkopfstütze, Navigation und Telefon kommen nur beim Fahrer an, die Passagiere hören weiter Musik. Das ist durchdacht.

Die Bedienung ist logisch aufgebaut, die Menüs sind flach, die Eingewöhnung dauert einen Tag. Dann aber die Eigenheiten: Seitenspiegel nur über das Menü. Lenkradverstellung ebenfalls digital. Das Handschuhfach öffnet nur über den Screen, alternativ mit dem Brecheisen. Das ist gewöhnungsbedürftig und trübt den Gesamteindruck trotzdem kaum, weil alles andere dort sitzt, wo es hingehört.

Zeekr 7GT Privilege AWD Launch Edition im Test: Krass und das alles zu diesem Preis

Zwei Dinge haben nicht funktioniert. Das schnelle Laden verschiedener Smartphones über USB C klappte nicht, das induktive Laden ebenfalls nicht wie erwartet. Vermutlich ein Defekt am Testwagen, bei einem Auto mit 60 und 27 Watt Anschlüssen laut Datenblatt wäre das sonst unerklärlich. Verzeihbar, aber notiert.

Der Kofferraum hat Coupé Charakter. 456 Liter, 1390 mit umgeklappter Rückbank, dazu eine Durchreiche für Ski und ein Frunk mit 65 Litern. Für Reisegepäck gut, für sperrige Ladung eingeschränkt. Was fehlt, ist ein Trennnetz. Über die Höhe der Rücksitzlehnen zu beladen ist damit nicht sicher möglich. Das ist kein Kombi und will auch keiner sein.

Und dann die Features, die niemand braucht. Lichtshow mit Musik, von aussen aktivierbar, ausprobiert unter einer Brücke in Köln, während nebenan die Obdachlosen ihren Grill angeworfen haben. Es war absurd, es war grossartig, es hat keinen Nutzen. Typisch chinesisch: viel Auto, viel Technik, viel Unterhaltung fürs Geld.

Garantie

Zeekr gibt fünf Jahre oder 100’000 Kilometer, verlängerbar auf zehn Jahre oder 200’000 Kilometer, wenn die Wartungen im Zeekr Netz gemacht werden. Die Batterie hat separat acht Jahre oder 200’000 Kilometer. Für eine Marke, die seit drei Jahren in Europa ist, ist das ein Vertrauensvorschuss, den man beim Kauf mitrechnen darf.

Fazit

Der Zeekr 7GT hat mich mehr überzeugt, als ich vor dem Test erwartet hätte. Ein Auto, das mir trotz meiner Liebe zu analogen Verbrennern der Nullerjahre ausgesprochen gut gefällt. Seine grössten Qualitäten liegen nicht in der Sportlichkeit, sondern in der souveränen Gelassenheit. Design, Komfort, Leistung und Technologie greifen ineinander, der Innenraum ist für alle gebaut und nicht nur für den, der lenkt, die Ladeplanung macht aus der Langstrecke eine Kaffeefahrt.

Die Kritik ist ehrlich und kurz. Das Fahrwerk ist weicher, als Optik und GT Kürzel versprechen, schnelle Kurven gehören nicht zu seinen Kernkompetenzen. Kein Trennnetz. Ein paar Funktionen unnötig tief im Menü. Smartphone Laden beim Testwagen defekt. Bei voller Ausstattung und einem Preis von CHF 59’990 wird es schwierig, darüber ernsthaft zu jammern. Rechnet nach, was ein deutscher Elektro GT mit 646 PS, Luftfederung, 23 Lautsprechern, Massagesitzen und Augmented Reality Head up Display kostet. Dann rechnet nochmals.

Zeekr 7GT Privilege AWD Launch Edition im Test: Krass und das alles zu diesem Preis

Der Zeekr 7GT ist vielleicht nicht der Sport GT, den seine Optik verspricht. Dafür ist er ein verdammt guter Reisewagen, der einem mit seinem Komfort, seiner Technik und seinem Preis immer wieder ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Und ja, ich drehe mich auch nach 3000 Kilometern beim Weglaufen nochmals nach ihm um.

Unser Verbrauch lag im Schnitt bei 21.5 kWh / 100 km über 3000 Kilometer. Unser Testwagen, die Privilege AWD Launch Edition mit 646 PS, 100 kWh, Luftfederung und Vollausstattung, kostet CHF 59’990.

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