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Neuvorstellung: BMW M Concept Neue Klasse - Vier Motoren, kaum Zahlen

Neuvorstellung: BMW M Concept Neue Klasse – Vier Motoren, kaum Zahlen

Während Mercedes-AMG und Ferrari vor kurzer Zeit fertige Elektrosportwagen-Serienfahrzeuge präsentiert haben, macht BMW M heute in Le Mans das Gegenteil: ganz viel Designsprache und fast keine Zahlen. Das BMW M Concept Neue Klasse feiert seine Weltpremiere bei den 24 Stunden von Le Mans und zeigt, wie ein vollelektrischer BMW M der nächsten Generation aussehen soll. Betonung auf „soll“.

Und genau hier müssen wir ehrlich sein, bevor wir uns von den (zugegeben starken) Bildern einlullen lassen.

Neuvorstellung: BMW M Concept Neue Klasse - Vier Motoren, kaum Zahlen

Was BMW zeigt – und was BMW verschweigt

Die Studie trägt den Leitsatz „Born on the racetrack. Made for the streets.“ vor sich her und behauptet, das nächste Kapitel der M-typischen Verbindung von Dynamik, Agilität und Präzision zu sein. Was BMW dazu konkret nennt: vier Elektromotoren, 800-Volt-Technologie, eine Hochvoltbatterie mit mehr als 100 kWh Energiegehalt, M-spezifisch optimierte Gen6-Rundzellen und ein strukturell verschraubtes Batteriegehäuse.

Was BMW nicht nennt und das ist die Liste, die zählt: Systemleistung, Drehmoment, 0-auf-100, Höchstgeschwindigkeit, Reichweite, Ladeleistung, Gewicht, Preis und Marktstart. Hmm…

Neuvorstellung: BMW M Concept Neue Klasse - Vier Motoren, kaum Zahlen

Design: Sharknose, gelbe Lichtikonen und ein Trimaran an der Front

Beim Design wird BMW dafür sehr konkret, und das ist der eigentliche Inhalt dieser Premiere. Die neue M-Designsprache setzt auf kraftvolle Proportionen, präzise Linien und eine muskulöse Schulterpartie mit weit ausgestellten Radhäusern. Oliver Heilmer, Leiter Design für Kompaktklasse, Neue Klasse und BMW M, bringt die Haltung auf eine Formel: „Bei BMW M folgt die Form konsequent der Funktion.“ Schöner Satz – ob er trägt, sehen wir am Serienauto.

Die Front prägt eine nach vorn gerichtete Sharknose, bei der Scheinwerfer und Niere zu einer Einheit verschmelzen, dazu eine Lichtsignatur mit Tiefeneffekt. Das neue Erkennungszeichen sind die M Yellow Lights – gelbe Lichtikonen, die BMW als Anleihe an GT-Rennfahrzeuge und den BMW M Hybrid V8 erklärt. Funktioniert auf den Bildern stark, dürfte aber in der Serie der erste Kandidat fürs Wegrationalisieren sein, sobald Zulassungsthemen ins Spiel kommen.

Neuvorstellung: BMW M Concept Neue Klasse - Vier Motoren, kaum Zahlen

Darunter zitiert die Frontschürze mit ihrem dreiteiligen Stossfänger die Trimaran-Architektur schneller Segelboote und stützt konstruktiv den Frontsplitter. In den äusseren Bereichen sitzen dreidimensionale Track Lights, die ebenfalls zum künftigen M-Vokabular gehören sollen. Am Heck wiederholt sich das Spiel: Track Lights rahmen ein Trimaran-Element über einem freischwebenden Diffusor, ein Ducktail-Spoiler erhöht den Abtrieb an der Hinterachse.

Interessant – und für uns redaktionell das relevanteste Detail – ist der Materialeinsatz: Naturfaser-Elemente am Frontsplitter, im Luftauslass der V-förmigen Motorhaube und im Diffusor. In der Dachgrafik kommt die Naturfaser erstmals veredelt und mit M-Branding zum Einsatz. Das ist die ehrlichere Innovation an diesem Auto als jede gelbe Leuchte: Flachs statt Carbon an sichtbaren Stellen, wenn es hält, was es verspricht.

Lackiert ist das Ganze in einem neu entwickelten Monza Red metallic, dazu rot-blau codierte Zentralverschlussräder. Bei einem Auto, das so heisst wie mein Hund, bin ich naturgemäss voreingenommen, aber die Farbe steht der Studie ausgezeichnet.

Neuvorstellung: BMW M Concept Neue Klasse - Vier Motoren, kaum Zahlen

Interieur: Schalensitze, Fünf-Punkt-Gurte und ein gestrickter Strick-Screen

Innen wird die Rennstrecken-Ansage am deutlichsten – und am ehrlichsten als Show-Car entlarvt. Vier neu entwickelte Schalensitze mit Strukturelementen aus Naturfaser-Verbund, rote Fünf-Punkt-Gurte, ein Überrollbügel: Das ist Track-Theater, kein Serieninterieur. Schön anzusehen, aber niemand sollte glauben, dass die fertige Limousine mit Hosenträgergurten und Käfig zum Händler rollt.

Davon abgesehen steckt hier ein klares Gestaltungskonzept: Sitzbezüge in Bathurst Blue und Berry Red als zweifarbige Merino-Lederausführung, erstmals schwarzes Nubukleder am Lenkrad, an den Türen und am Überrollbügel. Das freischwebende Dashboard ist in schwarzem Strick gehalten und mit einem hexagonalen M-Lichtmuster hinterleuchtet. Rote Akzente am Gangwahlschalter, an den Schaltwippen und in den Anzeigen rücken – BMW-Sprech – die Performance in den Fokus.

Antrieb: Vier Motoren, „Heart of Joy“ und die radindividuelle Kontrolle

Hier wird es technisch interessant, auch wenn die Zahlen fehlen. Das BMW M eDrive Antriebskonzept basiert auf der Gen6-Technologie der Neuen Klasse und kombiniert vier Elektromotoren mit der zentralen Steuerungssoftware BMW M Dynamic Performance Control. Das Ganze läuft im Hochleistungsrechner mit dem etwas kitschigen Namen Heart of Joy zusammen.

Der entscheidende Satz für Fahrwerks-Nerds: BMW spricht von integrierter, radindividueller Steuerung von Antrieb und Bremse. Das ist BMWs Antwort auf das, was AMG mit drei Axial-Fluss-Motoren plus Torque Vectoring macht – nur dass BMW mit vier Motoren theoretisch an jedem Rad einzeln Drehmoment und Bremse modulieren kann. Wenn die Software so präzise und schnell ist, wie es das Konzept verspricht, wäre das auf der Rennstrecke ein echtes Pfund. Genau das werden wir aber erst auf der Strecke wissen, nicht aus einer Pressemappe.

Franciscus van Meel, Chef der BMW M GmbH, verkauft das als Fortsetzung der M-Tradition, Technik und Designmerkmale direkt aus dem Motorsport in die Serie zu übertragen. Bekanntes Narrativ – belastbar wird es erst, wenn das erste Serien-M auf Neue Klasse mit echten Werten antritt.

Zur Batterie: 800 Volt, mehr als 100 kWh Energiegehalt, M-spezifisch optimierte Gen6-Rundzellen für hohe Leistung beim Entladen und Laden. Das Gehäuse ist als Strukturbauteil fest mit Vorder- und Hinterachse verbunden und soll so zur Fahrdynamik beitragen – dasselbe Prinzip, das AMG mit seinem in den Rohbau integrierten Batteriegehäuse fährt. Der Wechsel von prismatischen Zellen zu Rundzellen ist bei der Neuen Klasse ohnehin gesetzt; die M-Variante soll die leistungsfähigere Ausbaustufe davon sein.

Fazit

Das BMW M Concept Neue Klasse ist eine starke Designansage. Die Sharknose, die gelben Lichtikonen, der Flachs statt Carbon, die vier Motoren mit radindividueller Kontrolle – das ergibt eine in sich schlüssige Vision davon, wie ein elektrischer M aussehen und denken will. Optisch ist das überzeugender, als ich es einem elektrischen M zugetraut hätte.

Aber: Es ist eine Vision, kein Auto. Solange BMW keine Leistung, keine Reichweite, keine Ladeleistung und keinen Preis nennt, bewerten wir ein Konzept. Die spannende Frage ist nicht, ob die Studie gut aussieht (tut sie), sondern wie viel davon den Weg in die Serie findet und welche Zahlen am Ende auf dem Datenblatt stehen. Genau dann reden wir wieder – am liebsten mit einem Fahrbericht statt einer Pressemappe.

Born on the racetrack, gezeigt in Le Mans. Made for the streets? Das muss BMW erst noch beweisen.

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